Der 16-jährige Freund deiner Cousine als Webdesigner

Es gibt eine Geschichte, die ich in Erstgesprächen immer wieder höre. Mein Schwager macht Webseiten in seiner Freizeit. Der Sohn meiner Bekannten studiert Informatik und braucht ein Projekt. Der Cousin meiner Frau ist ein Computer-Genie und ich kriege das günstig. Auf den ersten Blick klingt das verlockend. Auf den zweiten Blick ist es oft eine teure Falle.
Warum diese Variante so beliebt ist
Der Reiz ist offensichtlich. Du sparst Geld. Statt mehrerer tausend Euro für eine professionelle Website zahlst du vielleicht 200 oder 300 Euro. Manchmal sogar nur einen Kasten Bier. Außerdem bekommst du jemanden, der dir vertraut ist, mit dem du dich auskennst und der angeblich schnell verfügbar ist.
Aber wie das so ist mit Angeboten, die zu gut klingen, um wahr zu sein. Sie sind es meistens nicht.
Was meistens schiefgeht
Ich beschreibe hier keine Einzelfälle, sondern Muster, die ich immer wieder sehe.
Die Website kommt online und sieht halbwegs okay aus. Sie hat ein paar Bilder, einen Text, einen Kontaktbereich. Aber sie hat keinen klaren Aufbau, keine durchdachte Reihenfolge, keine Conversion-Logik. Sie ist mehr digitale Visitenkarte als Werkzeug für dein Geschäft.
Die rechtlichen Grundlagen fehlen oder sind unvollständig. Das Impressum hat nicht alle nötigen Angaben. Die Datenschutzerklärung ist aus dem Internet kopiert und passt nicht zur tatsächlichen Konfiguration. Cookie-Banner gibt es entweder gar nicht oder er ist nicht datenschutzkonform. Google Fonts werden direkt von Googles Servern geladen, also ein klarer Verstoß gegen die DSGVO.
Die Seite ist nicht für Suchmaschinen optimiert. Es gibt keine sauberen Überschriftenstrukturen, keine Alt-Texte, keine Meta-Beschreibungen. Google findet deine Seite nicht oder nur sehr schlecht.
Sie ist nicht oder nur halbherzig für mobile Geräte optimiert. Auf dem Handy laufen Texte aus dem Bildschirm, Buttons sind zu klein, das Menü funktioniert nicht.
Wenn ein Problem auftaucht, ist niemand erreichbar. Dein Bekannter hat gerade Klausuren, einen neuen Job, ein Auslandssemester oder einfach keine Zeit mehr. Du stehst alleine da mit einer Website, die du selbst nicht bedienen kannst.
Das Abmahnrisiko ist real
Hier ein Punkt, den viele unterschätzen. Eine fehlerhaft umgesetzte Website ist in Deutschland abmahngefährdet. Es gibt Anwälte, die sich darauf spezialisiert haben, automatisiert nach genau diesen Fehlern zu suchen. Fehlende Datenschutzhinweise. Falsch implementierte Google Fonts. Fehlende oder fehlerhafte Cookie-Banner. Unzureichendes Impressum.
Eine Abmahnung kostet dich schnell mehrere hundert Euro plus die Kosten für die Korrektur. Wenn du Pech hast, ist das das Mehrfache von dem, was du für die Website ursprünglich bezahlt hast. Und du sitzt mit dem Ärger.
Was passiert, wenn du wachsen willst
Eine zweite Falle. Stell dir vor, deine Website lebt zwei Jahre und du willst sie weiterentwickeln. Eine neue Sektion hinzufügen, eine Funktion ergänzen, ein Termin-Buchungssystem einbauen. Wenn die ursprüngliche Bauweise nicht durchdacht war, wird das schwer.
Bekannte und Verwandte bauen Websites oft mit den Werkzeugen, die sie kennen. Vielleicht ein veraltetes WordPress mit zwanzig Plugins. Vielleicht ein Baukasten-System, das später nicht mehr passt. Wenn du wachsen willst, müsstest du oft komplett neu anfangen. Was du gespart hast, gibst du dann doppelt aus.
Die Beziehung leidet
Ein Aspekt, der weniger oft besprochen wird, aber wichtig ist. Wenn dein Bekannter dir die Website macht, vermischt sich Privates mit Geschäftlichem. Was passiert, wenn du nicht zufrieden bist? Wie sagst du jemandem, der dir nahe steht, dass die Arbeit nicht gut ist? Wie reklamierst du, ohne die Beziehung zu belasten? Was, wenn nach drei Monaten nichts mehr funktioniert und du eigentlich Geld zurück willst, aber nicht traust, das anzusprechen?
Diese Konstellationen sind unangenehm. Mit einem professionellen Anbieter hast du klare Verhältnisse. Dienstleistung, Rechnung, Vertrag, Garantie.
Wann der Bekannte trotzdem eine Option sein kann
Es gibt Situationen, in denen ich diese Variante nicht gleich abwertend bewerten würde. Wenn dein Bekannter ein erfahrener Profi ist, der das hauptberuflich macht und dir nur einen Freundschaftspreis gibt, kann das funktionieren. Wenn du ohnehin nur eine sehr kleine,
kaum geschäftsrelevante Seite brauchst, kann es ausreichen. Wenn dein Bekannter gerade dabei ist, sich beruflich in dem Bereich zu entwickeln und du explizit als Lernprojekt mitziehst, ist das fair.
Aber das sind die Ausnahmen. Der Standardfall ist, dass die Lösung am Ende teuer wird, ohne dass du dafür eine richtig gute Website bekommst.
Was du daraus mitnehmen solltest
Das, was nach billig aussieht, ist oft das teuerste. Eine professionell gebaute Website kostet einmalig mehr, leistet aber dafür ihre Aufgabe. Sie bringt dir Anfragen, sie ist rechtssicher, sie funktioniert auf allen Geräten, und du hast einen verlässlichen Ansprechpartner.
Dein nächster Schritt
Wenn du dir nicht sicher bist, ob du den Schritt zu einem Profi gehen willst, lass uns einfach kostenlos sprechen. Ich erstelle dir gerne einen unverbindlichen Erstentwurf, an dem du sehen kannst, was möglich ist. Du hast dabei keinerlei Verpflichtung.
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